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Alexander-von-Humboldt-Gymnasium:

Bildung für nachhaltige Entwicklung − Zukunft gestalten lernen

Preisträger des Harburger Nachhaltigkeitspreises 2015

Portrait

Yvonne Musolff-De Nardo (l) und Marlis Mauritz (Foto Gisela Baudy)Das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium (AvH) ist eines der großen Gymnasien im Bezirk Harburg. Aktuell werden hier 840 Schülerinnen und Schüler von 62 Lehrerinnen und Lehrern in 26 Klassen und zwei Oberstufenjahrgängen unterrichtet. Das AvH lässt keinen Schüler und keine Schülerin allein und spricht im Rahmen des individualisierten Lernens mit dem umfangreichen Programm "Fördern und Fordern" alle an, die in den Hauptfächern und Naturwissenschaften an sich arbeiten oder auch zusätzliche Herausforderungen suchen wollen. Das Ganztagsunterrichtskonzept wird durch unsere Cafeteria / Mensa unterstützt, mit viel freiwilligem Einsatz ermöglichen unsere Eltern außerdem ein gesundes Pausenfrühstück. Die Schulinspektion hat uns im September 2009 in fast allen Qualitätskategorien überdurchschnittliche Leistungen attestiert. In ihrem Bericht heben die Schulinspektoren insbesondere die beispielhaft gute Lernatmosphäre und den wertschätzenden Umgangston zwischen allen Mitgliedern unserer Schule hervor.

Engelbek-Collage (Collage von Henning Trost)

Das Leitbild des AvH "Bildung für nachhaltige Entwicklung − Entwicklung von Gestaltungskompetenz" setzt auf zukunftsfähiges Lernen, bei dem Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten Berücksichtigung finden. Dieses bedeutet für uns in der inhaltlichen Orientierung eine Betonung der Vernetzung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Sichtweisen.

Das AvH wurde für seine Arbeit bereits fünfmal in Folge als offizielles Projekt der UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung" für die Jahre 2005 bis 2014, als  Klimaschule 2012 -2013 und 19 Mal in Folge als Umweltschule in Europa/Internationale Agenda 21-Schule ausgezeichnet. Weitere Anerkennung fand die Arbeit am AvH im Rahmen der Ausschreibung des Deutschen Schulpreises 2012, bei dem die Endrunde der letzten 15 Teilnehmer erreicht wurde und durch die Auszeichnung mit dem Hamburger Bildungspreis 2012.

Das AvH wurde für das Projekt "Lernen im Fluss (LiF)/Teilprojekt Lernen im Fluss II (LiF II)" mit dem ersten Preis des Harburger Nachhaltigkeitspreises 2015 ausgezeichnet.

Kontakt:
Alexander-von-Humboldt-Gymnasium
Schulleiter: Matthias Peters
Ansprechpartnerin: Yvonne Musolff-De Nardo
Rönneburger Straße 50
21079 Hamburg
Tel.: +49 (40) 64 53 91-0
E-Mail: Alexander-von-Humboldt-Gymnasium(at)bsb.hamburg.de oder musolff-denardo(at)gmx.de
Homepage: https://avh.hamburg.de/


Bedeutung des Nachhaltigkeitsgedankens für die Schule

Unser Leitbild setzt auf zukunftsfähiges Lernen. Bereits 1998 knüpften wir in der Präambel unserer Schul- und Hausordnung und später in unserem Schulprogramm, das zuletzt 2009 überarbeitet wurde, an die Aussagen der internationalen Agenda 21 an. Bildung für nachhaltige Entwicklung will nachhaltiges Denken und Handeln vermitteln. Junge Menschen sollen befähigt werden, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und dabei abzuschätzen, wie sich das eigene Handeln auf künftige Generationen in allen Teilen der Welt auswirkt. Hierbei geht es zentral bei der Entwicklung von Gestaltungskompetenz um Fähigkeiten wie vorausschauendes Denken, interdisziplinäre Sichtweisen, selbstständiges und autonomes Handeln und aktive Partizipation an Entscheidungen und Umsetzungen.

Nachhaltigkeit muss gelernt und gelebt werden. Unter dem Motto „Die Gegenwart verstehen, die Zukunft gestalten“ sind einerseits weitreichende Gestaltungen der Schulcurricula erfolgt, die eine vielfältige Verankerung des Nachhaltigkeitsgedankens im Unterricht brachten. Hier besteht eine langjährige Tradition und Akzeptanz im Kollegium. Zum anderen muss Schule selbst das leben, was sie lehrt. Einige Schwerpunkte am AvH sind Ressourcen-schutzprogramme wie das fifty/fifty-Projekt, die Entwicklung eines eigenen Klimaschutzplanes, ein gesundes Pausenfrühstück, das seit Jahrzehnten erfolgreich durch die Eltern realisiert wird, eine eigene Solaranlage und eine ökologische Schulgeländegestaltung. Auch die Vernetzung mit Anderen durch Projekte und globale Lernpartnerschaften haben am AvH eine lange Tradition. Wichtig war und ist der Schule auch immer die Betonung von Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler. Beispiele sind die jährliche systemische Ausbildung von Klassensprechersprecherinnen und Klassensprechern, der Schulsanitätsdienst der Schülerschaft und ein Nachhaltigkeitsaudit zur Qualitätssicherung und -entwicklung von nachhaltigen Strukturen in der Schule.


Highlights gelebter Nachhaltigkeit ... und wie geht es weiter?

Es gibt eine Vielfalt von Programmen und Projekten zur Nachhaltigkeit am AvH, denen im Wesentlichen gemein ist, dass sie systemisch in Unterricht und Schulleben verankert sind. Lassen Sie uns drei Beispiele herausgreifen, die die verschiedenen Bezugsebenen unserer Arbeit verdeutlichen. Es geht hierbei um nachhaltiges Denken und Handeln in der Schule selbst, um eine Öffnung dieser Arbeit in den Stadtteil hinein und um Projekte, die eine globale Weltsicht eröffnen.

Die Erstellung und Umsetzung eines schuleigenen Klimaschutzplanes hat zum Ziel, CO2-Einsparungen durch Aktivitäten an der Schule zu erreichen. Der Plan strebt eine Verringerung des CO2-Ausstoßes um 25% bis 2020 an. Bei der Umsetzung knüpft das AvH an langjährige Projekte an. Energie- und Müllvermeidung als tägliche Erfahrung, verbunden mit bewusstseinsbildenen Wettbewerben wie dem „Wir-tun-was-Wettbewerb“, gesunde  und klimafreundliche Ernährung wie Veggi-Days sind hier nur einige Schwerpunkte. In diesem Jahr stand der Schwerpunkt „Mobilität“ im Vordergrund. Unter dem Thema „Wege zur Schule“ führten umfangreiche Befragungen zu einem möglichst CO2-neutralen Aktionstag, an dem  durch eine veränderte Mobilität 144kg CO2 eingespart wurden. Es versteht sich von selbst, dass die klimaschützenden Maßnahmen einer jährlichen Anpassung durch Auditierungen unter Schülerbeteiligung erfolgen. Weitgehende Möglichkeiten zur CO2-Einsparung erhofft sich die Schule von der bevorstehenden energetischen Sanierung und dem neuem Schulbau am Standort. Es erscheint nahe liegend und zwingend, bei Sanierung und Neubau Schulgebäude zum Modell einer gelebten Nachhaltigkeit zu machen.

Das langjährige Engelbekprojekt hat zum Ziel, modellhaft ein Ökosystem im Stadtteil mit persönlichem Bezug durch gezielte Handlungen zu renaturieren. Unter dem Motto vom „Denken zum Handeln – vom Handeln zum Denken“ entwickeln Schülerinnen und Schüler Maßnahmen, die sie umsetzen und bewerten. Das Projekt ist in den Regelunterricht aller fünften Klassen integriert und beteiligt zudem Oberstufenkurse, die zum einen jüngere Schülerinnen und Schüler bei der Arbeit betreuen, zum anderen aber auch eigenständige Projekte an der Engelbek durchführen. So werden Gewässergüteanalysen erstellt, die dem Bezirksamt zur Verfügung gestellt werden. Das Gesamtprojekt findet in Kooperation mit dem Bezirksamt, einem Wasserbauingenieur und weiteren Partnern statt. Die Ergebnisse der Arbeit werden durch Mitmach- und Stadtteilaktionen der Bevölkerung präsentiert.

Die Lernpartnerschaft des AvH mit der Kituntu Secondary School in Tansania setzt auf die Entwicklung globaler Partnerschaften als wichtige Säule nachhaltiger Entwicklung.  Schülerinnen und Schüler des AvH sollen verantwortungsvolle Weltbürger werden. Ziel ist es, das Fremde zu verstehen, neue Impulse zu erhalten und  gemeinsam mit den afrikanischen Partnern Projekte zu entwickeln und zu gestalten. In dem bisher drei Jahre laufenden Projekt standen Kennlern- und Austauschphasen mit gegenseitigen Besuchen im Vordergrund.  „Seeing is believing“ war die Erfahrung gelebter Vielfalt und ein intensiver Austausch der Kulturen  beider Partner. Natürlich entstanden hieraus auch erste Projektideen: 17 Kilo Rohkaffee wurden aus Tansania mitgenommen und in Harburg von der Kaffeerösterei Fehling geröstet und vertrieben. So findet der organisch angebaute Kaffee unserer Partner hier Wertschätzung und die Erlöse aus dem Verkauf können neue Projekte finanzieren.

„Join the Music 2013 − Wie klingt Kituntu? Wie klingt Hamburg?“ So lautet das Motto der nächsten Begegnung von Schülerinnen und Schülern der Kituntu Secondary School und des AvH im Sommer 2013. Unterstützt und gefördert wird diese Begegnung, wie auch die vorangegangenen, durch das Entwicklungspolitische Austauschprogramm (ENSA) des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Am AvH entwickelt und begleitet eine Projektgruppe aus Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schülern die Arbeit, die in die gesamte Schulgemeinschaft ausstrahlt. Auch zwischen den Begegnungen findet das Projekt eine inhaltliche Verankerung im Regelunterricht des Wahlpflichtbereiches. Natürlich leistet die Schulgemeinschaft durch Sponsoring-veranstaltungen auch einen eigenen Beitrag zur Finanzierung des Projektes.


HARBURG21 als Lokales NachhaltigkeitsNetzwerk

HARBURG21 ist der Schule aus der eigenen Arbeit bekannt. Natürlich hat sich das AvH gerne an Initiativen und Veranstaltungen von HARBURG21 beteiligt, so am „BNE-Leitfaden für (Harburger) Schulen“ und an der großen Veranstaltung Harburger Schulen im Elbcampus. Die Existenz und Arbeit eines solchen Netzwerkes sehen wir als wertvoll an. Dennoch liegt die Arbeit des Netzwerkes zu sehr im Dunkeln. Die konkrete Arbeit ist insgesamt zu wenig transparent und damit in der Öffentlichkeit noch zu wenig bekannt. Wünschen würden wir uns eine stärkere Betonung, Strukturierung und Gestaltung von Kooperationsangeboten im Harburger Raum.

Das Gespräch wurde mit den Lehrkräften Yvonne Musolff-De Nardo, Dagmar Bergholter, Marlis Mauritz und Robert Groth geführt. //


> HARBURG21-Porträt (Beitrag zur Interviewreihe "Gelebte Nachhaltigkeit")

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