Fast 54 Prozent der im Bezirk Harburg lebenden Menschen hatte 2024 einen Migrationshintergrund. Der Anteil der unter 18jährigen mit ausländischen Wurzeln liegt in Harburg sogar bei über 70 Prozent – ein Grund mehr diese Tatsachen mit hoher Priorität zu berücksichtigen, denn die Jugend ist unsere Zukunft.

Harburg ist ein bunter Bezirk. Hier leben und wirken Menschen aus 155 verschiedenen Nationen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Vorstellungen. Die Vielfalt und Verschiedenheit der Menschen bietet uns ein großes Potenzial, das aber nur wirksam wird, wenn dem Integrationsgedanken ein „Wir-Konzept“ zugrunde liegt. Die besondere kulturelle Vielfalt betrachten wir als Bereicherung, Chance und Herausforderung. Natürlich ist hier dem Leben unterschiedlicher Traditionen, Religionen und Lebensauffassungen eine klare Grenze zu setzen. Diese Grenze bilden die Werte des Grundgesetzes, insbesondere die Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger, die Achtung der Menschenwürde, das Demokratieprinzip, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie unsere gesamte Rechtsordnung.

Integration geht über das friedliche Nebeneinander von Einheimischen und Zugewanderten hinaus. Es handelt sich um einen zweiseitigen Prozess, der Offenheit, Toleranz und Dialog von allen erfordert. Integration bedeutet sich wechselseitig anzuerkennen und gemeinsam für die Gesellschaft Verantwortung zu tragen. Menschen mit Migrationshintergrund haben es im Schnitt noch immer deutlich schwerer, sich in unserer Gesellschaft zu behaupten. Integrationspolitik muss daher gezielt auf den Abbau struktureller Ungleichheit hinwirken. Dafür gilt es, chancengerechte Zugänge zu schaffen. Eine Schlüsselfunktion kommt hier dem Bildungs- und Ausbildungssystem zu. Insbesondere ist die Beherrschung der deutschen Sprache ein Schlüssel zur Bildung und damit zur Integration.

Die Arbeit im Bezirk Harburg basiert auf dem „Harburger Integrationskonzept – Zusammenarbeit in Eigenverantwortung“. Die Bezirksversammlung Harburg hat bereits im November 2011 dem Konzept einstimmig zugestimmt. Ein wichtiges Ziel der Arbeit ist die aktive Teilhabe von möglichst vielen Harburger Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund am politischen und gesellschaftlichen Diskurs. Entscheidend ist, dass Konzepte gemeinsam mit den Betroffenen und ihren Vertretungen entwickelt und gestaltet werden. In diesem Sinne wurde 2016 in einem einjährigen partizipativen Prozess das Harburger Leitbild „Zusammenleben in Vielfalt“ entwickelt, das Ziele, Leitlinien und Handlungsempfehlungen für die Arbeit in Harburg herausarbeitete.
In der weiteren Arbeit wurde und wird diese Leitbild in einem umfangreichen Beteiligungsprozess durch in Harburg leben Menschen, Initiativen und Vereine, Verwaltung und Politik, Institutionen und dem Harburger Integrationsrat in konkrete Maßnahmen übersetzt, die auch breit kommuniziert werden. Eine gute Möglichkeit hierzu ist das jährliche Vielfaltsfest, das bereits 2013 mit einer interkulturellen Meile auf dem Harburger Ratshausplatz seinen Auftakt hatte.

Auch das Projekt MigraNet, von 2014 bis 2016 vom Bundesministerium des Inneren finanziert und vom Bezirksamt Harburg durchgeführt, hatte zum Ziel die aktive Teilhabe von Migrantinnen und Migranten zu fördern und den sozialen Zusammenhalt vor Ort zu stärken. Link: https://www.hamburg.de/resource/blob/64794/7ef2f587c476c2285504696641803b04/broschuere-vielfalt-in-harburg-migranet-2014-data.pdf
Ein wichtiges Ergebnis war der Aufbau des Harburger Integrationsrates. Der 1. Harburger Integrationsrat wurde auf mehrheitlichen Beschluss der Harburger Bezirksversammlung 2014 gebildet. Ziel war die Unterstützung und Gestaltung des Zusammenlebens in Vielfalt zu fördern, allen Menschen eine Stimme zu geben, Begegnungsräume zu schaffen und gute Verbindungen zwischen den Menschen zu stärken. Eine große Bedeutung haben hier auch die regelmäßigen Integrationskonferenzen im Bezirk.

Der Integrationsrat sind 19 Harburger Bürgerinnen und Bürger, die alle fünf Jahre von Menschen im Bezirk gewählt werden, um die Interessen und Bedürfnisse jedes Einzelnen gegenüber der Politik und der Verwaltung zu vertreten. Seit 2024 arbeitet der 3. gewählte Harburger Integrationsrat.
Zur Arbeit des 1. Integrationsrates entstand ein Film der die hervorragende Bedeutung und Arbeit des Integrationsrates kommuniziert.
Über die aktuelle Arbeit des Integrationsrates, Kontakte und Mitglieder des Rates informiert eine eigene Homepage.