Nachhaltige Stadtentwicklung

Für den ehemaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sind Städte die Orte, an denen der Kampf für nachhaltige Entwicklung gewonnen oder verloren wird. Hierzu gilt es primär das Stadtgrün zu  entwickeln und zu fördern, die Stadt der Zukunft ist grün!

Bäume für klimaresiliente Quartiere erhalten: Marmstorf ist grün! Foto: Jürgen Marek

Klimafolgen treffen besonders dicht bebaute Städte. Zunehmende Extremhitze im Sommer bildet Wärmeinseln. Je nach Größe und Dichte der Bebauung kann die Luft bis zu 9°C wärmer sein, als die Umgebung. Laut der „Ärztezeitung“ sind in Europa im Sommer 2022 über 60.000 Menschen an den Folgen der Hitzebelastung gestorben, in Deutschland waren es rund 8.000.

Mit einem intelligenten Klimafolgenmanagement durch grüne Infrastruktur kann man Folgen der Stadtklimaveränderung erfolgreich begegnen. Das Schlagwort des NABU „so grün wie möglich, so dicht wie nötig“ gibt hier eine Orientierung. Für die Stadtentwicklung ergeben sich auch in den Hamburger Bezirken eine Reihe von Maßnahmen. Bei Nachverdichtungen sind möglichst vernetzte grüne Flächen zu erhalten und neu zu schaffen.

Die Stadt der Zukunft grün gestalten: High Line in New York. Foto: Jürgen Marek

Die Technische Universität Berlin hat in einer Studie zum Kühleffekt städtischer Grünanlagen gezeigt, dass mehrere kleine Grünanlagen effektiver sind als ein großer Park. Die Zahl der Bäume spielt  eine wichtige Rolle: Je mehr Bäume vorhanden sind, desto besser wird der Kühleffekt. Auch Dach- und Fassadenbegrünungen sind unverzichtbare Bausteine einer intelligenten Klimafolgenpolitik zur Verbesserung des Stadtklimas.

Ein bisschen Dachbegrünung nützt der Umwelt. Foto: Jürgen Marek Stadtbäume schaffen Klimaresilienz. Foto: Jürgen Marek

Nicht sorgsam genug gehen wir häufig mit den besten Klimaanlagen unserer Städte, den Bäumen, um. Für den Verlust alter Bäume sind die Neupflanzungen bisher oft weder nach Anzahl noch nach Art ein ausreichender Ersatz. Insbesondere der ökologisch gleichwertige Ersatz muss einen höheren Stellenwert bekommen. Viele der bisher gepflanzten Straßenbäume sind nicht ausreichend genug an die Klimaveränderungen wie  steigende Temperaturen mit  längeren Wärme- und Hitzeperioden,  Trockenheit und eine Verstärkung von Extremwetterereignissen wie Starkregen und Stürmen angepasst. Da andere, bislang nur wenig verwendete und in unseren Breiten nicht heimische Baumarten besser geeignet sind, sollten auch sie in Zukunft in stärkerem Maße zum Einsatz kommen.

Gewässer in der Stadt haben im Sommer einen erheblichen Kühleffekt. Stadtplaner können dies auch im Kleinen nachbilden, etwa durch die Anlage von Gewässern, Wasserspielen, Feuchtbiotopen und  Spring- und Trinkbrunnen. Ein zentrales Anliegen der Initiative Blue Community ist die Einrichtung und Unterhaltung von Trinkwasserspendern im öffentlichen Raum. Sie sind ein unkompliziertes Angebot für die Bevölkerung, das der Gefahr einer Dehydrierung bei zunehmender sommerlicher Hitze begegnet.

Wasserspiele für eine blaue Infrastruktur gegen Extremhitze in der Stadt. Foto: Jürgen Marek Trinkwasserspender am Seeveplatz in Harburg. Foto: Jürgen Marek

Auch in Hamburg verschwinden bei einem Versiegelungsgrad von ca. 40% immer mehr Flächen unter Asphalt und Beton. Der Trend zu stark versiegelten Flächen nimmt aktuell zu. Während der Regen immer seltener natürlich versickern und verdunsten kann, werden gleichzeitig Folgen des Klimawandels spürbarer, wie etwa Extremwetterereignisse mit Starkregen und Dürreperioden. In einer Schwammstadt wird das Regenwasser nicht einfach über die Kanalisation abgeleitet, sie schafft Flächen, die große Mengen an Wasser aufnehmen, speichern und dieses bei Trockenheit wieder abgeben können.

lebendige Engelbek: ein renaturierter Bachlauf als natürliche Retentionsfläche. Foto: Jürgen Marek

Das Schwammstraßen-Prinzip ist ein innovatives System, das die Entwicklung großkroniger Bäume auch im bebauten  Stadtraum ermöglicht. Dazu wird unterhalb der befestigten Oberflächen im Straßenraum eine Schicht aus grobkörnigem Schotter sowie feineren, wasserspeichernden Substrat angelegt. Der gesamte Raum unter der Straße, den Gehwegen und den Parkplätzen wird zum Schwammkörper, der von den Bäumen genutzt werden kann. Über Schächte und Versickerungsbeete wird das Wasser von der Straßenoberfläche direkt in die Drainageschicht geleitet.

Eine multifunktionale Straßenraumgestaltung steht auch im Zentrum eines Harburger Pilotprojektes nach dem Schwammstadt-Prinzip  in der  Hölertwiete. Ziel ist es, technische Lösungen zur Vergrößerung des Wasserspeichervolumens der Pflanzgruben und gleichzeitig zur Verbesserung der Vitalität und Wasserverfügbarkeit für Bäume in Trockenzeiten zu finden. Die entwickelte Lösung nutzt das Dachwasser der benachbarten Gebäude zur Bewässerung der Bäume  durch Rigolen zur Regenwasserspeicherung.

Straßenbäume brauchen Wasser: Funktionale Regenwassernutzung durch Wasserspeicher im Boden und durch Wassersäcke. Foto: Jürgen Marek

Auch die Umgestaltung des Herbert-und-Greta-Wehner-Platzes integriert moderne Ansätze zur Baumpflanzung, die auch eine verbesserte Wasseraufnahme des Bodens ermöglichen und Wassersäcke verwenden. Wassersäcke für Einzelbäume sind gut geeignet, um frisch gepflanzte Straßenbäume nachhaltig zu bewässern. Sie geben bis zu 100 Liter Wasser tröpfchenweise über einen längeren Zeitraum direkt in den Wurzelbereich der Bäume ab.

Klimaresilienz muss durch aktives Handeln in Stadt und Region entwickelt werden. Diese Veränderungen vollziehen sich idealerweise in überschaubaren Einheiten wie Quartieren, die das persönliche Erleben und Möglichkeiten der Veränderung und der Mitgestaltung am besten deutlich machen. Ziel ist eine gesellschaftliche Transformation zum nachhaltigen Denken und Handeln mit gelebten, auch pädagogisch wirksamen Handlungsalternativen. Weitergehende Kernaspekte nachhaltiger Stadtentwicklung finden Sie hier.