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Emmas SchokoLaden

Wer sagt denn, dass man in den Schulferien weder viel tun noch etwas lernen muss? Einfach nur "abhängen" und manchmal bis mittags im Bett liegen, das war auch Nataschas Devise. Aber Pustekuchen. Tante Emma macht ihr einen fetten Strich durch die Rechnung und sorgt für eine Menge Aufregung und Arbeit. Nun ja, turbulente Ferien wie diese haben ja auch etwas Gutes: Langeweile gibt es nicht, auch nicht an Regentagen.

In der Geschichte mit dem doppeldeutigen Titel "Emmas SchokoLaden" entdeckt die Naschkatze Natascha die dunkle Seite der doch so süßen "Schokoladen-Welt". Was hier doch recht preisgünstig auf den Markt kommt, hat einen hohen Preis. Den aber zahlen die Kakao-Bauern in der Dritten Welt. Sie müssen unter harten und ungesunden Bedingungen arbeiten und werden dabei viel zu gering entlohnt. Die Folge: Auch Kinder müssen arbeiten, und vernünftige medizinische Versorgung und Schulbildung bleiben ein unerreichbarer "Luxus".

In den zehn Kapiteln seines kurzweiligen Werkes thematisiert Stephan Sigg geschickt die Bedeutung des Fairen Handel(n)s - der unbestrittenermaßen ein wichtiger Baustein nachhaltigen Handelns ist. Leichtfüßig eröffnet der Theologe (nicht nur) den jungen LeserInnen Schritt für Schritt die Zusammenhänge zwischen unserem Reichtum hier (auf der nördlichen Erdhalbkugel) und der Armut dort in den Entwicklungsländern, also auf der südlichen Hemisphäre. So lernen die LeserInnen den Unterschied zwischen fair und unfair gehandelten Waren sowie das Fairtrade-Siegel kennen.

Mit Natascha, seiner fast zehnjährigen Heldin, sensibilisiert der Autor besonders seine junge Leserschaft für die Nord-Süd-Problematik und zeigt mit Tante Emma konkrete Handlungsmöglichkeiten zur Solidarität mit den benachteiligten (Kakao) Bäuerinnen und Bauern auf. Darüber hinaus bietet Stephan Sigg im Anhang Hintergrundinformationen zum Fairen Handel an und schlägt passende, einfach zu gestaltende Unterrichtsideen (hauptsächlich ab Klasse 4) vor. Kleiner Tipp: Zusätzlich sollten die SchülerInnen aber auch noch einen anderen nachhaltigen Aspekt bearbeiten. Nämlich, welchen (Ernährungs-) Vorteil sie (bzw. wir) haben, wenn sie sich/wir uns fair gehandelte Süßigkeiten kaufen. Denn der entsprechend hohe Preis hat einen gewissen Nachteil: Er lässt das Taschen- beziehungsweise Haushalts-Geld merklich schneller schrumpfen als billige Schokolade(n). Aber weniger ist am Ende doch mehr, oder nicht?

Alles in allem liegt hier ein gleichsam pädagogisch sehr sinnvoll und erzähltechnisch sehr spannend aufgebautes Lesevergnügen für Kinder ab neun Jahren vor - auch wenn (oder vielleicht gerade weil?) hier die "Guten" allesamt weiblich sind, und der eine wirklich "Böse" männlich und kinderfeindlich ist.

Dr. Chris Baudy
Freier Autor & Journalist


Literaturangaben: Emmas SchokoLaden, von Stephan Sigg, 2009 (zweite Auflage), MVG Medienproduktions & Vertriebsgesellschaft Aachen, 89 Seiten, ISBN-10: 3-88916-264-9; ISBN-13: 978-3-88916-264-9


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cb

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