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Jörg Heinrich Penner, Dezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt: Nachhaltige Stadtentwicklung und Bauen in Harburg


Portrait

Jörg Heinrich Penner (Foto Jürgen Marek)Jörg Penner geboren 1953,  arbeitet seit 2007 als Leiter des Dezernats Wirtschaft, Bauen und Umwelt des Bezirksamtes Harburg. Der Architekt und Stadtplaner bringt vielfältige Erfahrungen aus seiner Arbeit  in der Verwaltung, in einem freien Architektenbüro, als Projektentwickler einer Wohnungsgesellschaft und in der Kommunalpolitik mit.

Das Dezernat umfasst die Fachämter Stadt- und Landschaftsplanung, Management des öffentlichen Raumes mit dem Bezirklichen Ordnungsdienst (BOD), Verbraucherschutz, Umwelt und Gewerbe und das  Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt.

Jörg Heinrich Penner vor dem Bauamt (Foto Jürgen Marek)Speziell das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung steuert die städtebauliche Entwicklung und Ordnung in Harburg. Anlass für Planungen sind zum Beispiel Bedarfe an Wohn- und Gewerbegebieten oder die Sicherung von städtebaulichen Strukturen. Bei der Planung finden die Belange des Städtebaus, der Landschaftsplanung, des Naturschutzes, der Grundeigentümer, die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner, die Interessen der Wirtschaft und des Verkehrs Berücksichtigung. In Zusammenarbeit mit den politischen Gremien werden die vielfältigen und oft gegenläufigen Wünsche der Betroffenen ermittelt und abgewogen.

Kontakt:
Jörg Heinrich Penner
Dezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt
Bezirksamt Harburg
Rathausplatz 4
21074 Hamburg
E-Mail: Joerg.Penner(at)harburg.hamburg.de



Bedeutung des Nachhaltigkeitsgedankens für die eigene Arbeit

Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung beinhaltet für mich die Berücksichtigung der ökologischen, der ökonomischen und sozialen Dimension; ich versuche in meiner Tätigkeit diese drei Aspekte in ihren Auswirkungen  und Chancen zusammenzudenken. Es besteht häufig die Tendenz, den Blickwinkel bei Planungen und Entscheidungen sehr schnell auf eine Dimension  zu verengen. Um dem entgegenzuwirken,  versuche ich auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für einen offenen Blick auf die Gesamtzusammenhänge im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in ihrer Arbeit zu sensibilisieren.


Schwerpunkte gelebter Nachhaltigkeit und Perspektiven

Stadtentwicklung und -planung ist ein aktiver Veränderungsprozess. Nachhaltige Stadtentwicklung braucht hierbei den mehrdimensionalen Ansatz des Nachhaltigkeitsgedankens, auch um sich nicht von Partialinteressen leiten zu lassen.

Die Zukunft der Menschen wird eine urbane Lebensweise sein. Unverbauter Boden ist eine wertvolle und endliche Ressource. In Deutschland verbrauchen wir davon aber laut der jüngsten Statistik immer noch 87 Hektar pro Tag, sind also vom politisch proklamierten 30 Hektarziel noch weit entfernt. Im Zuge fortschreitender Bebauungen ist eine angemessene Bebauungsdichte und damit eine Einschränkung der Flächennutzung eine Notwendigkeit nachhaltigen Handelns.  Nur so kann ein weitreichender Verbrauch ökologisch wertvoller Flächen vermieden werden. Zudem ist die Nachhaltigkeitsbilanz von Verdichtungen im Wohnungsbau entscheidend besser. So kann die wirtschaftliche Grundversorgung, der enorme Energieverbrauch für Mobilität und eine energie- und klimabewusstere Energieversorgung leichter und besser realisiert werden. In diesem Sinne leistet Verdichtung bei der Bebauung einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Städte, auch wenn das nicht von jedem Betroffenen subjektiv immer so empfunden wird.

Die kompakte Stadt der kurzen Wege kann nicht jeden Baum erhalten – andererseits müssen vorhandene öffentliche Grünflächen und Parks bewusst als solche  erkannt und erhalten bleiben und für Nachverdichtungen Tabu sein. Gleichzeitig gilt die Maxime: je dichter man baut, desto besser muss die Qualität sein. Wie schon eingangs gesagt: Es geht mir um eine komplexe multiperspektivische Betrachtung, die gute und klare Informationen und auch den Diskurs mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern fordert.

Erfolgreiche nachhaltige Stadtentwicklung vollzieht sich heute auf dem Gebiet der Quartiersentwicklung. Die Entwicklung des Harburger Binnenhafens zu einem unverwechselbaren Quartier mit neuen innovativen Wohnformen bietet eine echte Alternative zum klassischen Einfamilienhaus im Grünen. Entstanden ist es aus einer Konversionsfläche, die heute mehr Grünbereiche enthält als vor zehn Jahren und in ihrer Bebauung die historische Ebene berücksichtigt. Insbesondere durch Projekte der IBA sind auf diesem Gebiet Bauten mit höheren Energiestandards entstanden. Eine moderne Nahwärmenetzplanung mit Blockheizkraftwerken für mehrere Baublöcke und die Prüfung einer Nutzung von industrieller Prozesswärme sind hier nur einige Beispiele. Auch im Bereich des Bauvorhabens Röttiger-Kaserne  ist es gelungen, eine höhere Verdichtung mit weniger Flächenverbrauch bei weitgehend gleicher Wohnqualität zu planen.

Im Bereich des Harburger Schulbaus wird es darum gehen, bauliche Voraussetzungen für die moderne zukunftsfähige Schule zu schaffen. Konkret geht es um gute Rahmenbedingungen für den Umgang mit Heterogenität. In diesem Zusammenhang ist eine gewisse Deckungsfähigkeit von Schulstandort und Wohnungsgebiet für gelebte Heterogenität positiv, wie dies zum Beispiel an der Schule Grumbrechtstraße deutlich wird. Natürlich sollte der moderne Schulbau auch Modellfunktionen hinsichtlich der baulichen Voraussetzungen für einen sorgsamen Umgang mit den Ressourcen aufzeigen.

Für die zukünftige Stadtentwicklung im Bezirk sind zwei Gesichtspunkte von Bedeutung. Zum einen geht es um den Schutz und die Entwicklung gewachsener Zentren. Zum anderen gilt es, Stadtgebiete stärker sozial zu „durchmischen“. Öffentlicher geförderter Wohnungsbau gehört hierzu auch in Wohngebiete mit klassischer Eigentumsbebauung.


HARBURG21 als Lokales NachhaltigkeitsNetzwerk

Es ist sehr positiv, dass es im Gegensatz zu anderen Hamburger Stadtteilen in Harburg noch eine aktive Lokale Agenda 21 gibt, die einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbegriff fördert und im Bezirk konkretisiert. Wünschenswert wäre eine stärkere Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit über den Internetauftritt hinaus. Veranstaltungen und Projekte mit Harburger Akteuren wären hier eine Möglichkeit direkter Kommunikation. Insbesondere sollte in diesem Zusammenhang auch die Medienpräsenz von HARBURG21 verstärkt werden. //


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 HARBURG21-Porträt (Beitrag zur Interviewreihe "Gelebte Nachhaltigkeit")

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