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Evangelisch-Lutherische Michaelis-Kirchengemeinde:

Neugaben fairändern – global denken, lokal handeln

Portrait

Faire Früchtchen in Neugraben (Foto Neugraben fairändern)Das Projekt Neugraben fairändern ist eine Initiative der Evangelisch-Lutherischen Michaelis-Kirchengemeinde Hamburg-Neugraben, um im Stadtteil das Bewusstsein für globale Zusammenhänge zu stärken. Wie funktioniert „zukunftsorientierter“ Konsum und warum sollte sich etwas "fairändern"? Die Gemeinde ist unter anderem Mitglied in der Entschuldungskampagne und legt ihr Geld bei Oikocredit an. Regelmäßig gibt es Projekte für Konfirmand/innen zum Thema „Fairer Handel“ und den Verkauf fair gehandelter Produkte auf dem Neugrabener Wochenmarkt. Durch eine Erbschaft konnte die Gemeinde 2011 eine 0,5 Stelle für eine Projektkoordinatorin einrichten, weitere finanzielle Zuschüsse wurden eingeworben.

Neugraben fairändern fördert Globales Lernen im Stadteil (Foto Steve Fotso)Das Projekt Neugraben fairändern organisiert öffentliche Veranstaltungen und Ausstellungen, bietet für Schulen Angebote zum Globalen Lernen oder auch Koch-Workshops mit Profi-Köchen an. Es organisiert mit Jugendlichen Aktionen und Infostände. Globales Lernen will sowohl die Orientierung für das eigene Leben in der globalisierten Weltgesellschaft unterstützen als auch umgekehrt danach fragen, was wir im Sinne einer humanen Weltgesellschaft (Gerechtigkeit und Erhaltung der Erde) tun können oder sollten.

Eine Gruppe von Ehrenamtlichen betreut den Projektladen „FAIRKauf“ mit fair gehandelten und lokalen Produkten in einem Leerstand im Süderelbe-Einkaufszentrum, in dem auch Veranstaltungen stattfinden. Durch öffentliche Veranstaltungen, die Neugrabener Kaffeekampagne und zahlreiche weitere Angebote zum Globalen Lernen will die Initiative viele Menschen mit Produkten aus dem Fairen Handel in Berührung bringen und motivieren, das eigene Konsumverhalten zu ändern und sich für eine gerechtere Welt zu engagieren. Das Projekt arbeitet erfolgreich mit Partnern im Stadtteil zusammen, wie zum Beispiel der Stadtentwicklungsgesellschaft, und hat sich als Anlaufstelle für engagierte und kritische Konsument/innen im Stadtteil fest etabliert.

Kontakt:
Neugraben fairändern
c/o Evangelisch-Lutherische Michaelis-Kirchengemeinde Hamburg-Neugraben
Cuxhavener Straße 323
21149 Hamburg
Projektleiterin: Antje Kurz
Telefon: (040) 22 64 37 96
E-Mail: info@neugraben-fairaendern.de
Web: www.neugraben-fairaendern.de


Bedeutung des Nachhaltigkeitsgedankens für die Arbeit und Schwerpunkte gelebter Nachhaltigkeit

Ausgangspunkt unserer Arbeit war der Kampf gegen den Hunger auf der Welt. Dieses Problem lässt sich nicht allein durch Projekte zur Ernährungssicherung vor Ort in den vom Hunger betroffenen Regionen lösen. Die Hungerursachen und die Ansätze für eine Veränderung liegen hier bei uns, auch bei jedem einzelnen von uns.  Wir und unsere Gesellschaft müssen uns verändern, entwickeln zu einem bewussteren und sorgsamen Umgang mit Ressourcen, hin zu mehr Gerechtigkeit als einem zentralen Anliegen der nachhaltigen Entwicklung. Hierbei geht es nicht nur um eine generationenübergreifende Zukunftsgerechtigkeit, sondern um die Forderung nach globaler Gerechtigkeit jetzt, denn schon heute leben viele Menschen nicht in menschenwürdigen Verhältnissen.Wir leben auf Kosten anderer.

Konkretes nachhaltiges Handeln findet in verschiedenen Handlungsbereichen statt:

Der Kleidermarkt der Michaelis-Kirchengemeinde zeigt auf, wie Kleidung länger in einem Nutzungskreislauf bleiben kann, und ermöglich gleichzeitig auch Menschen mit geringem Einkommen die Nutzung hochwertiger Kleidung. Einnahmen aus diesem Projekt werden wieder für soziale Pro-jekte verwendet.

“Eure Almosen könnt Ihr behalten, wenn Ihr uns gerechte Preise zahlt!”, sagte der brasilianische Erzbischof Dom Helder Camara. Spenden sind oft notwendig, aber sie ändern wenig an der Ungerechtigkeit im Handel zwischen Nord und Süd. Durch öffentliche Veranstaltungen und zahlreiche weitere Angebote zum Globalen Lernen bringen wir viele Menschen mit Produkten aus dem Fairen Handel und Produkten mit lokalen und regionalen Bezügen in Berührung und motivieren sie, das eigene Konsumverhalten zu ändern und sich für eine gerechtere Welt zu engagieren. Hierbei geht es uns darum, Handlungsmöglichkeiten anzubieten, die zu bewältigen sind und zu kleinen, aber konkreten Veränderungen und Erfolgen führen. Der Laden im Süderelbe-Einkaufszentrum wird von einem ehrenamtlichen Ladenteam betreut. Hier können sich Menschen auch für einen begrenzten Zeitraum engagieren.

Highlights unserer Arbeit sind zum einen große Veranstaltungen im Stadtteil, wie der Filmabend zum Thema „Schmutzige Schokolade“ mit dem dänischen Filmemacher Miki Mistrati im BGZ Süderelbe mit 100 Besuchern. Über diese öffentlichkeitswirksame Veranstaltung zum Thema Kindersklaven im Kakaoanbau haben wir auch einige jugendliche Mitstreiter gewonnen und erfolgreiche Veranstaltungen an Schulen initiiert.

Zum anderen hat die kontinuierliche Arbeit von Arbeitsgruppen im Stadtteil eine große Bedeutung. Ein konkretes Beispiel ist die Kaffekampagne, mit der in Neugraben der Anteil an getrunkenem Kaffee aus fairem Handel erhöht werden soll. Diese Kampagne möchte Menschen überzeugen, an ihrem Arbeitsplatz gemeinsam fair gehandelten Kaffee zu trinken. Wir wollen alle mehr oder weniger öffentlichen Einrichtungen im Stadtteil dafür gewinnen, Kaffee aus dem Fairen Handel auszuschenken: Arztpraxen, Anwaltskanzleien, Verwaltung, Stadtteiltreffs usw. Teilnehmende erhalten einen Aufkleber, um ihr Geschäft zu kennzeichnen. Eingeläutet wird die Kampagne mit einer Fragebogenaktion in der Neugrabener Fußgängerzone. Wir möchten wissen, was die Menschen im Stadtteil über den Fairen Handel und fair gehandelten Kaffee denken, und ob sie bereit sind, ihr Konsumverhalten zu ändern.

Auch die Beteiligung an „7 Wochen mit Produkten aus dem Fairen Handel und der Region“, einer ökumenischen Fastenaktion der Nordkirche, ist ein gutes Beispiel. Hier wurden und werden zahlreiche Akteure im Stadtteil wie Kindergärten, Unternehmen, Gemeinde-Gruppen und die Lokalzeitung eingebunden.

 

Und wie geht es weiter?

2014 ist das Jahr der Fußballweltmeisterschaft der Herren in Brasilien. Daher erarbeiten wir zum Thema Brasilien Workshop-Angebote zum Globalen Lernen für Schulen, Kindergärten und andere interessierte Gruppen. Das Besondere ist, dass wir zusammen mit dem Studienbegleitprogramm Nord (StuBe) in Hamburg lebende Brasilianerinnen und Brasilianer dafür gewonnen haben.

Zum einen möchten wir Kindern und Jugendlichen die persönliche Begegnung mit Menschen aus Ländern des globalen Südens ermöglichen, zum anderen bieten wir thematische Workshops zum Beispiel zu Kakao-Produktion und Fairem Handel an. So wird Globalisierung be-greifbar, real. Wir hoffen so, Interesse für eine intensivere Beschäftigung mit den Themen der Globalen Gerechtigkeit zu wecken.

 

HARBURG21  als lokales NachhaltigkeitsNetzwerk

Eine lokale Agenda und ein lokales NachhaltigkeitsNetzwerk sind für den Bezirk Harburg gut und wichtig. Konkretes lokales und regionales Handeln ist die Basis für jede nachhaltige Entwicklung. In der Arbeit kommt aber meiner Meinung nach bisher die soziale Dimension des Nachhaltigkeitsbegriffes zu kurz. Globale Gerechtigkeit und fairer Handel müssten ein zentraler Bestandteil werden. Wichtig erscheint mir auch, langfristigere und konkretere Visionen und Perspektiven für nachhaltiges Handeln im Bezirk Harburg zu entwickeln.

Die Auslobung eines Harburger Nachhaltigkeitspreises begrüßen wir. Hierdurch werden Einzelprojekte im Bezirk transparent und miteinander bekannt gemacht, so dass gute Ansätze für eine Netzwerkbildung bestehen. Es geht nun darum, die Kontakte zwischen den Akteuren zu verstärken und Synergieeffekte zu erzielen, zum Beispiel durch einen gemeinsamen Runden Tisch für einen nachhaltig agierenden Bezirk Harburg.


Link:

HARBURG21-Porträt (Beitrag zur Interviewreihe "Gelebte Nachhaltigkeit")

 

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