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Bernhard Hellriegel, ehemaliger Bezirksamtsleiter

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Portrait Bernhard Hellriegel

Bernhard Hellriegel (Foto Regina Marek)Von Anfang 1997 bis 2004 war ich als Bezirksamtsleiter in Harburg tätig, zunächst kommissarisch, ab Mai 1998 als gewählter Amtsleiter.

In dieser Funktion waren für mich die Hauptziele – neben der Führung von damals noch über 1000 Mitarbeitern – (1) der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen, (2) die Verbesserung von Sozialstruktur und Miteinander sowie (3) die Bewahrung und Hebung von Lebensqualität und Attraktivität von Harburg. Zu Letzterem gehörten ausdrücklich auch Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Deshalb habe ich mich aktiv auch für die Umsetzung der Aalborg-Charta einzusetzen versucht. Zwar war insoweit primär der Senat in der Pflicht (ein Bezirk wie Harburg hat ja in Hamburg nicht den Rang und die Handlungsspielräume einer Kommune). Aber nach einem Antrag aus der Harburger Bezirksversammlung zu möglichen Harburger Aktivitäten wurde mir klar: So begrenzt die Möglichkeiten eines Bezirkes auch sind – er muss sie, unabhängig von Zuständigkeiten, nutzen, um wenigstens einen kleinen Beitrag für weltweite soziale Gerechtigkeit und für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen zu leisten. Im Sinne der Devise „Global denken, lokal handeln“ das Mögliche tun, dazu fühlte ich mich verpflichtet, auch wenn das Bezirksamt damals unter der Einsparung von 25 % seiner Stellen ächzte. Ich bin den beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch heute dankbar, wie engagiert sie sich trotzdem eingebracht haben. Ein wichtiges Prinzip war für mich immer: „Jede Entscheidung muss mindestens zwei positive Nutzen zugleich haben.“


Schwerpunkte gelebter Nachhaltigkeit

Von links: Rolf Buhs, Jürgen Marek und Bernhard Hellriegel anlässlich der Veranstaltung Klimaschutz in Harburg (Foto Gisela Baudy, 04.06.12)An Nachhaltigkeitsaktivitäten während meiner Amtszeit als Bezirksamtsleiter könnte ich Dinge nennen wie Energieeinsparungsmaßnahmen zum Beispiel durch Umrüstung auf Energiesparlampen oder die Umstellung auf Biodiesel für die Fahrzeuge des Gartenbauamts (Mitarbeiteridee!). Aber auch – als „weiche“ Felder – die Senkung von Krankenständen in bestimmten Dienststellen durch „Gesundheitszirkel“ mit dem Ziel, krankmachende Arbeitsumstände zu erkennen und abzustellen. Oder die Stärkung der Selbstverantwortung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (zum Beispiel selbstverwaltete Budgets in den Dezernaten oder Reorganisation durch die Mitarbeiter selbst im Einwohneramt), wodurch Reibungsverluste abgebaut und Mitarbeiter- wie Kundenzufriedenheit gesteigert werden konnten. Erfolge wurden gemessen: Zum Beispiel hatte sich der Krankenstand da, wo „Gesundheitszirkel“ eingerichtet waren, von bis zu zehn Prozent auf rund drei Prozent verbessert.

Vielleicht ist auch erwähnenswert, dass etwa bei Bauprojekten im öffentlichen Raum die Behinder-tenarbeitsgemeinschaft intensiver und systematisch beteiligt wurde, um Fehlplanungen schon im Ansatz zu vermeiden, oder dass Harburg den Zuschlag für Passivhaus-Musterausstellungen erhalten hatte, die dann 2004 in Wilhelmsburg und Heimfeld stattfanden.

Das wichtigste Nachhaltigkeitsprojekt meiner Amtszeit aber – schon weil es auch heute noch wirkt und weil es jedenfalls damals derlei in keinem anderen Hamburger Bezirk gab – scheint mir HARBURG21 zu sein.

Seit 1997 werden in Harburg Aktivitäten zur sogenannten „Agenda 21“ koordiniert. Eine von der Bezirksversammlung eingesetzte Lenkungsgruppe − bestehend aus Abgeordneten der Parteien, dem Bezirksamtsleiter, Vertretern des Gesundheits- und Umweltamtes, dem Direktor des ZEWU und dem Agenda 21-Beauftragten der TUHH − treibt diesen Prozess unter dem Namen HARBURG21 auf lokaler Ebene voran.

Zu den maßgeblichen Zielen von HARBURG21 gehörte und gehört unter anderem die umweltge-rechte und zukunftsfähige Weiterentwicklung von Siedlungs- und Infrastrukturen im Süderelberaum. Arbeitsgruppen engagierter Bürger und Institutionen (etwa aus den Bereichen Schule, Verkehr, Wirtschaft oder Artenschutz) entwickeln geeignete Projekte und verbreiten ihre Ideen auf Veranstaltungen und gut besuchten Festen, die unter anderem im Harburger Rathaus stattgefunden haben.

Ein Highlight war das Nachhaltigkeitsfest auf dem Gelände der Firma Lorenz von Ehren. Hier haben zahlreiche Beteiligte, auch Harburger Umweltschulen, ihre Aktivitäten präsentiert.

Realisiert und gefördert werden und wurden Projekte, die auch für künftige Generationen von Nut-zen sind. Die Umgestaltung des Binnenhafens im Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft, vitale Industrie, vielseitiges Handwerk, innovative Dienstleistungen sowie schonender Umgang mit Ressourcen sind gute Beispiele dafür.

Das „HARBURG21-Büro“ dient als Anlaufstelle für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Hier finden Sie Unterstützung und Beratung bei eigenen Projektideen und Vernetzungsmöglichkeiten mit nachhaltigen Initiativen. Ein eingetragener gemeinnütziger „HARBURG21-Verein“ ermöglicht es Spendern, die Arbeiten an diesen dem Gemeinwohl dienenden Prozess materiell zu unterstützen.


Perspektiven der weiteren Arbeit

HARBURG21 hat einen Nachhaltigkeitspreis für Institutionen und Personen ausgeschrieben. Ich werde aktiv in der Jury mitarbeiten und die Ausgezeichneten mit den weiteren Jurymitgliedern würdigen.


HARBURG21 als Lokales NachhaltigkeitsNetzwerk

Ich freue mich, dass HARBURG21 bis heute erfolgreich weitergearbeitet hat und unterstütze auch gern die laufenden Projekte wie den Nachhaltigkeitspreis 2013.


> HARBURG21-Porträt (Beitrag zur Interviewreihe "Gelebte Nachhaltigkeit")

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