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Plastikfrei - Harburg war dabei! - Highlights aus der Aktionswoche "Harburg Plastikfrei - sei dabei!"

Stoffsäcke mit Erdball (Foto Gisela Baudy)Anlässlich des Internationalen Plastiktüten freien Tags (International Plastic Bag Free Day, 3. Juli eines Jahres) fanden in der Woche vom 27. Juni bis 3. Juli 2016 die Harburger Aktionstage "HARBURG PLASTIKfrei − sei dabei!" statt. Dazu hatten sich Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und Zivilgesellschaft an dem vom Citymanagement Harburg (CMH) organisierten Runden Tisch zusammengefunden und mit vielfältigen Aktivitäten das Thema rund um Plastik(tüten) & Co erfolgreich in die breite Öffentlichkeit getragen. Vielerorts konnten sich die Bürger/innen zum Thema informieren, diskutieren und auch selbst Hand anlegen.

Andreas Patommel von der Bücherhalle Harburg vor der Medienaussstellung zum Thema Plastik (Foto Chris Baudy)"Das Thema wurde gut angenommen", stellte Andreas Patommel zufrieden von der Bücherhalle Harburg am Ende der Aktionswoche fest und verlängerte den Aktionszeitraum einfach um eine ganze Woche bis 9. Juli. Denn die Medienausstellung zu den Aktionstagen erfreute sich eines sehr guten Zugriffs. Innerhalb eines Tages waren bereits über 20 Audio-Visuelle Medien ausgeliehen − nicht zuletzt sicherlich wegen der schönen Bastelarbeiten der Kita Eddelbüttelstraße, die im Rahmen ihrer Beteiligung an der Aktion "Die Mülldetektive" der S.O.F. Save Our Future − Umweltstiftung entstanden waren und das Regal bestückten (eine gesunde Erde, eine kranke Erde, ein bepflanzter Kinder-Gummistiefel, eine aus Tetrapaks kreierte und äußerst stabile Einkaufstasche usw).

Plakat des NABU Hamburg (Foto Chris Baudy)Die Ausstellung des NABU Hamburg (Gruppe Süd) bereitete das Aktionsthema auf zwölf Tafeln umfassend auf und informierte in den Harburger Arcaden eine Woche lang zu den Themen nachhaltiges Konsum- und Essverhalten, Ökolandbau, Müllvermeidung, Plastikmüll-Probleme in den Ozeanen und Aktionsmöglichkeiten. "Wie kommt nur dieses ganze Zeug in die Meere? Warum machen die Leute das?", wunderte sich ein älterer Herr, als er das Plakat "Müll im Meer" eingehend studierte und Umstehende in ein Gespräch verwickelte.

Gesammlte Plastiktüten-Ausbeute der H10 (Foto Chris Baudy)Der Taschentausch der Schüler/innen der Harburger Handelsschule (H10) entpuppte sich als gelungene Aktion: Am 29. Juni zogen Mitglieder der "RUK-Agenten der H10" (RUK steht für Ressourcen-, Umwelt- und Klimaschutz) mit bio-fair produzierten und mit selbstkreiertem Text und Bild bedruckten Baumwolltaschen durch die Harburger Innenstadt und konnten viele Harburger "Plastiktüten-Träger/innen" davon überzeugen, sich von ihrer Plastiktüte zu trennen und ihre Einkäufe in einem Stoffbeutel nach Hause zu bringen. Die Ausbeute füllte drei Müllsäcke. "Das größere Problem waren eigentlich die plastikverpackten Sachen in den Taschen," kommentierte die Oberstufen-Schülerin Nina Farchau den Tauschhandel.

Infostand der Stadtreinigung Harburg mit Taschentausch (Foto Chris Baudy)Die "Plastik gegen Baumwolle" Tauschidee kam auch bei den Schüleraktionen des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums Harburg (AvH) an der Engelbek am 28. Juni und der Katholischen Schule Harburg (KSH) am 30. Juni mit 150 Tauschaktionen in und um das Phoenix-Center zum Zuge. Sie fruchtete ebenfalls bei den Aktionsständen der Stadtreinigung Hamburg (SRH) und des NABU Hamburg − Gruppe Süd am Verkaufsoffenen Sonntag (3. Juli und internationaler Aktionstag). Die Aktion erbrachte insgesamt nochmals zwei gefüllte gelbe Plastiksäcke.

Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kuchta (Foto Gisela Baudy)Am 30. Juni erfuhren Harburger/innen im Harburger Rathaus von den "Aqua-Agent/innen" der Schule Scheeßeler Kehre (Grundschüler/innen der 3. Klasse), wie dauerhaft und schädlich (Mikro-) Plastik für die Meere und Flüsse und ihre Bewohner ist. Mit ihrem Impulsvortrag klärte die Abfall-Expertin Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kuchta der Technischen Universität Hamburg (TUHH) die rund 50 Besuchenden über die technischen Möglichkeiten und Herausforderungen sortenreinen Plastik-Recyclings auf und forderte eine Entwicklung dahin, dass Kunststoff als Werkstoff bis zu viermal im stofflichen Kreislauf verbleibt. Anschließend stellten sich Vertreter/innen aus Bildung, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft den Fragen von Moderator Jürgen Marek (HARBURG21) und aus dem Publikum.

Am Glücksrad mit Sven Ihling (links) und Michael Schulze von HARBURG21 (links hinten) (Foto Gisela Baudy)Weitere Informations-und Diskussionsmöglichkeiten nutzten Harburger/innen am Sonntag, dem 3. Juli, in Harburgs verkaufsoffener Innenstadt: Zum einen kamen sie spielerisch zum Nachdenken bei einem Glücksrad-Quiz zu Naturwissenschaft und Technik sowie bei einem Verbraucher-Quiz zu Plastik(müll) & Co (und beim NABU-Quiz am benachbarten Aktionsstand). "Insgesamt kamen rund 200 große und kleine Quiz-Begierige an unseren Stand", stellte Sven Ihling, Lenkungsgruppenmitglied von HARBURG21, beeindruckt fest. Zum anderen äußerten sie sich kritisch bei der Bürgerbefragung und Ideenwerkstatt von HARBURG21 zur Frage "Was tun (Sie) gegen Plastikmüll & Co?" mündlich und schriftlich.

Stoffsack-Malen mit dem Schafstall in Neugraben (Foto Chris Baudy)Mit dem Stift ging es bereits am 28. Juni in Neugraben zur Sache. Kreativität war angesagt. In der Einkaufszone vor Kaufland bemalten oder beschrifteten die Standbesucherinnen und -besucher Baumwolltaschen der Loki-Schmidt-Stiftung. "Wir hatten ein sehr gut gemischtes Publikum, vor allem auch kulturell gesehen", freute sich Ludmilla Wieczorek vom Informationshaus Fischbeker Heide. "Von vier bis 90 war alles dabei", ergänzt die 20-jährige FÖJ-lerin Alina Adler. Ihre FÖJ-Kollegin Karoline Kipper (18) hätte gerne mehr als die ausgegebenen 30 Stoffbeutel unter die Leute gebracht. Sie vermutete, dass bei vielen Passanten die Bequemlichkeit siegte.

Stofftaschen-Malen in den Harburger Arcaden (Foto Chris Baudy)Künstlerisch hat sich zudem besonders das jüngere Publikum in den Harburg Arcaden am 2. und 3. Juli betätigt und insgesamt über 300 Baumwolltaschen (ohne Aufdruck) mit bunten Malstiften und Schreibern individuell verziert. "Ob diese Beutel nun auch wirklich und dauerhaft zum Einsatz kommen, weil sie ja selbst und meist von den eigenen Kindern gestaltet wurden, wird sich erst noch zeigen", gibt Melanie Wittka, die Centermanagerin der Arcaden, zu bedenken.

Upcycling-Workshop Fairkauf (Foto Chris Baudy)Wer am 3. Juli eine ganz besondere Mehrwegtasche aus der Lüneburger Straße mitnehmen wollte, konnte sich unter fachkundiger Anleitung eine eigene Tasche aus alten Jeanshosen zurechtknüpfen und tauchte quasi hautnah in die Kunst des Up-Cyclings ein − Veranstalter war das Harburger Sozialkaufhaus Fairkauf.

Eine ganz andere praktische Seite von "Plastik-Freiheit" lernten Harburger/innen am 28. und 30. Juni an der Engelbek und am Seevekanal kennen. Denn hier machten Schüler/innen des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums (AvH) Harburg und der Müllmonster des AvH (Foto Gisela Baudy)Katholischen Schule Harburg (KSH) gemeinsam mit den Anwohner/innen „klar Schiff" und sammelten im Gewässer und der unmittelbaren Umgebung mehrere Säcke voll Unrat plus Flaschen, zwei verlassene Einkaufswagen und zwei herrenlose Fahrräder. "Die Anwohner fanden die Aktion sehr gut," berichtete Yvonne Musolff-De Nardo, Lehrerin am AvH, "denn sie fühlten sich vom Zustand des Engelbek-Areals genervt und wünschten sich mehr Engagement vom Bezirk." Die Hingucker der Aktion an der Engelbek waren zehn "Müllmonster", die vorher am AvH im Deutschunterricht zum Thema "Plastik" zusammen mit entsprechenden Gedichten entstanden waren (8. Klasse). Dazu gesellten sich die am gleichen Tag im Tausch gesammelten Plastiktütenberge. Am Seevekanal entstand mit den "gesammelten Werken" ein Müll-Labryrinth. Die Leitung beider Aktionen hatte Dr. Timm Ruben Geissler (WasserLand) im Auftrag des Bezirks Harburg übernommen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen:
Mit Taschentausch-Aktionen, gemeinschaftlichen Müllsammlungen, Müll-Kunst- und anderen Ausstellungen, diversen Informations- und Diskussionsmöglichkeiten sowie Kreativ-Werkstätten Gisela Baudy von HARBURG21 und Melanie-Gitte Lansmann vom CHM am HARBURG21-Stand (Foto Chris Baudy)hat Harburg eine beachtliche öffentlichkeitswirksame Netzwerk-Aktionswoche zum Thema „Zukunft mit oder ohne Plastik(tüten)“ auf den Weg gebracht. Bleibt zu hoffen, dass Harburger/innen ihre Einkaufstouren zunehmend mit Mehrweg-Taschen bestreiten und nicht darauf warten, dass der Einzelhandel dem Vorstoß der Rewe-Gruppe folgt und Plastiktüten aus den Läden verbannt. Wir bleiben dran. Und überlegen derweil, wie wir ähnliche, zukunftsfähige Gemeinschaftsaktionen in Harburg auf den Weg bringen können. „Ich würde mich freuen, wenn wir regelmäßig ein nachhaltiges Thema in dieser oder ähnlicher Form in Harburg umsetzen können“, wünscht sich Melanie-Gitte Lansmann, die Leiterin des Citymanagements Harburg und ist sich sicher: „HARBURG21 wird schon etwas einfallen!“

Text: Chris Baudy
Fotos: Gisela Baudy (1,6,7,11), Chris Baudy (2-5,8-10,12)
Plakat "Müll im Meer": NABU Hamburg

Zur weiteren Lektüre:
Ankündigung der Harburger Aktionstage "HARBURG Plastikfrei - sei dabei!"
Bericht zum HARBURG21-Vortragsabend
Bericht zum HARBURG21-Mit-Mach-Stand
Bericht zu den Aktionstagen an der Engelbek und dem Seevekanal
Pressemitteilung vom Citymanagement Harburg
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