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Die Globalen Entwicklungsziele / Agenda 2030

Logo Global Goals (Globale Ziele)

Der Inbegriff einer nachhaltigen Entwicklung ist die Schaffung einer gerechte(re)n Welt für heutige und zukünftige Generationen durch partizipative Strukturen und individuelle Lebensentwürfe, die Umweltschutz, Sozialverträglichkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit kombinieren. Das bedeutet, dass wirtschaftliches Wachstum weder die ökologischen Grenzen sprengt (und unsere natürliche Lebensgrundlage bedroht) noch zu sozialen Missständen (und damit zur Fortsetzung oder gar Verstärkung lokaler und globaler Ungerechtigkeiten) führt. Artenvielfalt und Natur- und Klimaschutz, Schutz von Menschenrechten und der Menschenwürde, weltweites Wohlergehen, Bildungschancen, Krisenmanagement, Friedenssicherung sind nur einige der Herausforderungen, denen sich die Weltgemeinschaft im 21. Jahrhundert gegenübersieht.

Zukunftsfähige Entwicklung ist eine komplexe, gesamtgesellschaftliche, lokal und global relevante Transformationsaufgabe. Vorlagen gibt es dafür nicht und so blicken wir einem lebenslangen Lern-Prozess entgegen, der fortwährender Nachbesserungen in Theorie und Praxis bedarf. Die Agenda 21 war das erste entwicklungs- und umweltpolitische Rahmenprogramm für eine nachhaltig gestaltete Welt und globale Partnerschaften. Die im Jahr 2000 verabschiedeten Millenniumsziele 2000 bis 2015 (Millennium Development Goals MDGs) schrieben die Agenda 21 fort und spezifizierten acht Hauptziele, die bis 2015 zu erreichen wären. 15 Jahre weiter sind im Ergebnis zwar Fortschritte bei der Umsetzung etwa im Bereich Bildung und Gesundheit gemacht worden. Dagegen stehen beispielsweise erhöhte CO2-Emissionen und ein gestiegener Ressourcenverbrauch. Insgesamt blieb noch eine Menge zu wünschen übrig.

Folglich haben 193 Staaten am 25. September 2015 in New York eine neue Entwicklungsagenda, die Agenda 2030 verabschiedet, die auf dem Weltgipfel 2012 (Rio plus 20) angestoßen und in einem globalen (zwischenstaatlichen), partizipativen Prozess erarbeitet wurden. Sie soll den heutigen Generationen als gemeinschaftlicher Aktionsrahmen für die Gestaltung einer zukunftsgerechten Welt dienen. Die teilnehmenden Länder verpflichteten sich, die insgesamt 17 Hauptziele (mit 169 Unterzielen mit der Maßgabe zur nationalen Anpassung der Unterzeichnerländer) zur Transformation unserer Welt, die sogenannten SDGs (Sustainable Development Goals auch Global Goals, Agenda 2030, post-2015 Agenda und Globale Entwicklungsziele genannt) bis 2030 umzusetzen. In dem entsprechenden Dokument  "Transforming our world: 2030 Agenda for Sustainable Development" finden sich auch die ehemaligen MDGs wieder.

Während die Vorgänger-Resolutionen für die Industrieländer ausgelegt waren, nimmt die post-2015-Agenda erstmals Industrie- und Entwicklungsländer gleichermaßen in die Pflicht und zielt auf eine neue, intensivierte globale Partnerschaft für die EINE WELT ab. Als Kernziele bezeichnet die UN-Resolution die fünf "P": people, planet, prosperity, peace, and partnership. Gemeint sind damit (1) ein würdevolles Leben für alle, (2) Schutz des Planeten durch Sicherung der Lebensgrundlagen und Begrenzung des Klimawandels, (3) Wohlstand für alle Menschen befördern durch gerechte (globale) Wirtschaftssysteme, (4) Friedenssicherung durch die Garantie von Menschenrechten und guter Regierungsführung und (5) Globale Partnerschaften aufbauen.

Zum Inhalt
Ganz oben auf der Agenda stehen nach wie vor Hunger- und Armutsbekämpfung (Ziele 1 und 2). Mehr als 800 Millionen Menschen müssen hungern, da sie keine ausreichende, gesunde Nahrung zur Verfügung haben. Über eine Milliarde Menschen (in knapp 50 Ländern) müssen ihren Lebensunterhalt mit weniger als 1,25 US Dollar pro Tag bestreiten und werden von der UN als extrem arm eingestuft (ein Minimumeinkommen von 2 US Dollar pro Tag gilt als Armutsgrenze). Ferner sind knapp 400 Millionen Menschen weltweit von einer medizinischen Grundversorgung ausgeschlossen (vgl. Ziel 3). Auch der Zugang zu Bildung ist global gesehen noch lange keine Selbstverständlichkeit bei weltweit 17 % Grundschul-Abbrecher*innen, 36 % Schüler*innen, die keine weiterführende Schule besuchen (können) und 780 Millionen erwachsene Analphabet*innen (vgl. Ziel 4). Bildung für nachhaltige Entwicklung als Eckpfeiler für zukunftsfähiges Denken, Fühlen und Handeln, ist als Unterziel 4.7 ebenfalls relativ hoch in der Entwicklungsagenda angesiedelt.

Die Hauptziele im Einzelnen
Ziel 1: Armut in jeder Form und überall beenden

Ziel 2: Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Agrarwirtschaft fördern

Ziel 3: Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Ziel 4: Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.
   Unterziel 4.7: Sicherstellen, dass alle Lerner das Wissen und die Fähigkeiten erzielen, um nachhaltige Entwicklung voranzubringen und zwar u.a. durch Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergerechtigkeit, Unterstützung einer Friedenskultur und Gewaltlosigkeit, Weltbürgertum, die Wertschätzung von kultureller Vielfalt und dessen, was Kultur zur zukunftsgerechten Entwicklung beitragen kann.

Ziel 5: Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen

Ziel 6: Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten

Ziel 7: Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern

Ziel 8: Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

 Ziel 9: Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen

Ziel 10: Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern

Ziel 11: Städte und Siedlungen inklusiv und sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen

Ziel 12: Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen

Ziel 13: Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen

Ziel 14: Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen

Ziel 15: Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen

Ziel 16: Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen

Ziel 17: Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben.

Heere Ziele, deren Erreichen kein Kinderspiel sein dürfte, zumal wir Menschen m. E. mit einem eher mäßig ausgeprägten Sinn für Solidarität und Genügsamkeit sind. Vor allem bildungs- und entwicklungspolitisches (Verhandlungs-) Geschick sind vonnöten, um tatsächlich alle - und mit Chance - rechtzeitig ins Boot zu bekommen, die dann transformativ und vor allem als Weltbürger*innen agieren. Aber nichts ist unmöglich.

Umsetzung in Deutschland

Deutschland ist eines der 193 Länder, dass sich dem "Zukunftsvertrag für die Welt", wie es das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nennt,  verschrieben hat. Wie die Realisierung der SDGs in Deutschland aussehen soll, stellt das BMZ in der Broschüre "Der neue Zukunftsvertrag für die Welt - Die 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung" zusammen.

Insgesamt richtet sich die Umsetzung des Zukunftsvertrags nach folgenden Leitmotiven (vgl. BMZ, 2015:7):

> die Bekämpfung von Armut und Hunger und Ungleichheiten
> die Stärkung bzw. Sicherung von Selbstbestimmung, Geschlechtergerechtigkeit und gesundem Leben für alle
> die Förderung von Wohlstand für alle und weltweit nachhaltiger Lebensweisen
> Respektierung der ökologischen Grenzen der Erde, Bekämpfung des Klimawandels, Bewahrung und nachhaltige Nutzung unserer Lebensgrundlagen
> Schutz der Menschenrechte und die Förderung von Frieden und Rechtsstaatlichkeit
> Aufbau einer neuen Welt-Partnerschaft.

Aktionspläne und Maßnahmenpakete sind eine Sache, Ergebnisse und ihre aussagekräftige Dokumentation eine (ganz) andere. Um die deutschen Umsetzungen für Medienschaffende, Politiktreibende, Nichtregierungs-Organisationen (NGOs), Vereine und Bürgerinitiativen und die interessierte Öffentlichkeit transparent zu gestalten, hat das BMZ die deutsch- und englischsprachige Website 2030-watch (ein Open Source Projekt) eingerichtet. Auf diesem Datenportal können Besuchende den Fortschritt in Sachen Globale Entwicklungsziele hierzulande anhand von 60 Indikatoren verfolgen und (mehr oder weniger) einschätzen, ob und in welchem Umfang unser Land den sozialen, ökologischen und ökonomischen Zielen und Themen wie etwa Bürgerbeteiligung und Transparenz näher kommt. Um dann zu überlegen, wie der post-2015-Prozess unterstützt und beschleunigt werden kann (zum Beispiel durch mehr Transparenz, bestimmte Maßnahmen und Handlungsweisen) und entsprechend aktiv zu werden. Denn nicht nur die Politik ist gefragt, eine gerechte(re) Zukunft - vor Ort und weltweit - zu ermöglichen (und darüber Rechenschaft abzulegen). Alle gesellschaftlichen Bereiche eines jeden Landes sind aufgerufen, sich proaktiv in den gesellschaftlichen Transformationsprozess mit kritischen Fragen, konstruktiven Forderungen und konkreten Maßnahmen einzubringen. //

=> Weiterführende Informationen
SDGs auf Deutsch inklusive Umsetzungsplänen und Fallbeispielen "Der neue Zukunftsvertrag für die Welt"
> http://www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/reihen/infobroschueren_flyer/infobroschueren/Materialie270_zukunftsvertrag.pdf.
>  http://www.bmz.de/de/ministerium/ziele/2030_agenda/index.html.

Daten zum Umsetzungsfortschritt in Deutschland:
>  https://2030-watch.de/monitoring/.

Diskussion und Hintergrundwissen zu den SDGs:
Nachhaltige Entwicklungsziele - Agenda für eine bessere Welt?, aus der Reihe "politische ökologie". hrgs. vom oekom verlag München, 2015, 143 Seiten.

Überblick und Einstieg in die SDGS sowie Tipps, wie jede*r Einzelne von uns etwas tun kann (vom Sofa, zu Hause, außer Haus)
> https://sustainabledevelopment.un.org/?menu=1300 (Englisch)

Download Original UN-Dokument "Transforming our world. The 2030 Agenda for Sustainable Development": UN-Dokuments beziehungsweise als Publikationsschrift

> http://www.un.org/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/RES/70/1&Lang=E.

> https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/21252030%20Agenda%20for%20Sustainable%20Development%20web.pdf.

 

=> T I P P S  FÜR LEHRTÄTIGE

17 Ziele für eine bessere Welt > http://www.klimabuendnis.at/aktuelles/sdg-broschuere.

17 Ziele für eine zukunftsfähige Welt - didaktische Materalien vom Welthaus Bielefeld,u.a. 2016,
Lehrerheft 4 EUR, Schülerheft 1 EUR, zu bestellen unter
> http://www.globaleslernen.de/de/bildungsmaterialien/bildungsmaterialien-aktuell/17-ziele-fuer-eine-zukunftsfaehige-welt-didaktische-materialien.

Fokus SDGS >  http://www.globaleslernen.de/de/aktuelles/fokus-sustainable-development-goals.

Die SDGs in einfacher Sprache >  https://www.engagement-global.de/die-nachhaltigkeitsziele.html.

Chris Baudy

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