deutschenglishtürkçe

Klimaportal der Lokalen Agenda 21 im Raum Harburg

HARBURG21

Lokale Agenda 21 und NachhaltigkeitsNetzwerk im Raum Harburg

(Ein Beitrag zur Interviewreihe "Gelebte Nachhaltigkeit")


> Portrait
> Bedeutung des Nachhaltigkeitsgedankens und Schwerpunkte unserer Arbeit (bitte klicken)
> Perspektiven der weiteren Arbeit (bitte klicken)
> Nachhaltige Wünsche für die Zukunft (bitte klicken)


Portrait

Lenkungsgruppe HARBURG21 mit der UNESCO-Fahne für die dritte Auszeichnung. Von links nach rechts: Ingo Schröder, Regina Marek, Gisela Baudy, Rolf de Vries, Monika Uhlmann, Rainer Laugwitz, Christine Stecker, Jürgen Marek. Nicht im Bild: Dr. Chris Baudy, Dr. Hanno Hintze, André Jobst, Antje Kurz, Hanns Wardenphul, Frank Wiesner. (Foto Chris Baudy, 23.09.13)Die Initiative HARBURG21 unterstützt seit 1996 als Lokale Agenda 21 und seit 2007 auch als Lokales Nachhaltigkeits-Netzwerk und Bildungsakteurin die nachhaltige Entwicklung in Harburg und Umgebung. Die gemeinnützige Nichtregierungs- und Non-Profit-Organisation steht für ein lebenswertes Harburg heute und morgen und will dazu beitragen, dass sich der Hamburger Süden im 21. Jahrhundert nachhaltig, das heißt umweltgerecht, sozialverträglich und zugleich wirtschaftlich tragfähig für heutige und zukünftige Generationen entwickelt. Die heutigen Ziele heißen Sensibilisieren, Für die Erde sorgen (Motiv und Foto Gisela Baudy)Informieren und Motivieren im Sinne der Agenda 21 sowie gegenseitige Vernetzung und gemeinsames, lebenslanges Lernen für zukunftsfähiges Denken und Handeln nach den Grundsätzen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Zu HARBURG21 gehören ein Bürger-Büro, das seit Anfang 2013 seinen Sitz in der Knoopstraße 35 in Hamburg-Harburg hat, die Arbeitsgruppe Verkehr21, das Netzwerk Schulen21/Bildung21, die Lenkungsgruppe als regelmäßig tagendes Steuerungsorgan aus Vertretern der Wirtschaft, der Politik, des Handwerks und der Wissenschaft sowie der Förderverein HARBURG21 e.V.

Ferner besitzt HARBURG21 seit 2007 die Website www.harburg21.de. Diese ist seit 2008/2009 Teil des Hamburger Aktionsplans (HHAP), das alle aktuellen Bildungsprojekte zur Nachhaltigkeit im Raum Hamburg verzeichnet. Aufgrund ihrer sukzessiven Fortentwicklung zu einem lokalen Bildungs-, Kommunikations- und Vernetzungsportal hat das Nationalkomitee der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014" die HARBURG21-Website 2012 zum dritten Mal in Folge als Offizielles Weltdekade-Projekt im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet (Auszeichnungen 2009/2010, 2011/2012, 2013/2014).

Im Jahr 2015 konnte HARBURG21 den Stadtteilpreis 2015 entgegennehmen. Auch konnte die Initiative im selben Jahr über das Lenkungsgruppen-Mitglied Dr. Chris Baudy als erstem NUN-zertifizierten Bildungspartner im Bezirk Harburg einen wichtigen Beitrag „zur Weiterentwicklung der lokalen Bildungslandschaft“ (Bezirksamtsleiter Thomas Völsch) leisten.

Die Initiative finanziert sich ausschließlich aus projektgebundenen Fördergeldern und arbeitet mit hohem ehrenamtlichem Engagement. Langjähriger Förderer von HARBURG21 ist die Harburger Bezirksversammlung. Für den Aufbau der Website leistete die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE) in den Jahren 2007 und 2008 die nötige Anschubfinanzierung. Die inhaltliche Weiterentwicklung zum heutigen Harburger Klimaportal hat die Leitstelle Klimaschutz der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) von 2011 bis 2013 zu großen Teilen mitfinanziert.

Kontakt:
HARBURG21
Knoopstraße 35, Raum 307/308
21073 Hamburg
Telefon: 040-30 09 21 47
E-Mail: buero(at)harburg21.de


Bedeutung des Nachhaltigkeitsgedankens und Schwerpunkte unserer Arbeit

Die Initiative setzt auf Beschluss der Harburger Bezirksversammlung im Jahr 1996 (mit Bekräftigung im Jahr 2007) das UN-Aktionsprogramm Agenda 21 auf lokaler Ebene um, das 1992 in Rio de Janeiro (Umwelt- und Entwicklungsgipfel) von rund 180 Staaten unterzeichnet wurde und die nachhaltige Entwicklung unserer Erde zum Ziel hat. Sie folgt dabei der sogenannten Aalborg-Charta, die 1996 auch von der Stadt Hamburg unterschrieben wurde und die Zukunftsfähigkeit von Städten und Kommunen zum Ziel hat.

Ferner steht HARBURG21 im Zeichen der Nachfolgekonferenz in Johannesburg, die 2002 die Wichtigkeit der Bildung im Agenda 21-Prozess hervorhob und die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ für die Jahre 2005 bis 2014 ausrief. Als Teil des Hamburger Aktionsplans und als Offizielles Projekt der UN-Dekade BNE unterstützt HARBURG21 seitdem den Bezirk Harburg in seinem Bildungsauftrag im Sinne der BNE und die Hansestadt Hamburg als UN-Dekade-Stadt.

HARBURG21 befördert den Gedanken der nachhaltigen Entwicklung und der Bildung für nachhaltige Entwicklung vor Ort mittels Bürgerservice, Netzwerkgesprächen und umfangreichen Projektarbeiten. Zu den größeren Projekten gehören beispielsweise der BNE-Leitfaden für (Harburger) Schulen (2011), die Schulehrung im Elbcampus (25.05.11), die Faire Kaffepause im Harburger Rathaus (30.09.11) oder die Aktionstage RIOplus20 in Harburg und Neugraben (04.-10.06.12) mit der RIO-Auftaktveranstaltung mit Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif (04.06.12). Zu den jüngsten Projekten gehören der jährlich ausgeschriebene Harburger Nachhaltigkeitpreis (seit 2013) und das Netzwerk-Projekt Gelebte Nachhaltigkeit im Bezirk Harburg. Zu den aktuellen Projekten siehe hier.

Hinzu kommen alljährlich Einzel- oder Gemeinschafts-Aktionen wie im Jahr 2013 der Infostand und die Verbraucherumfrage zur 30-Jahres-Feier der Harburger Bioinsel (25.05.13), die monatlichen Fahrradtouren der AG Verkehr21 zu lokalen Zielen wie der Internationalen Bauausstellung Hamburg (IBA 21.04.13) oder der Infostand beim Freiwilligennetzwerk Harburg (22.06.13). Weitere Aktionen sind Leseabende, Begleitung von Schul-Aktionen und HARBURG21-Präsentationen.

Zentrales Instrument zur Information, Bürgerbeteiligung und Vernetzung lokaler Initiativen im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung ist das Harburger Klimaportal www.harburg21.de, das im März 2012 online ging und auf dem "Harburger Nachhaltigkeitsportal" (2007 bis Februar 2011) fußt. Die Website versteht sich als außerschulischer Lernort im Bereich "Informelles Lernen". Konkret bietet sie Informationen zu Klimafragen einschließlich Klima-ABC sowie zu Agenda 21, HARBURG21 und zu lokalen und regionalen zukunftsfähigen Projekten und Initiativen. Darüber hinaus gibt es interaktive Module wie Diskussionsforen und Quizecke sowie herunterladbare Materialien zur Zukunftsfähigkeit von Harburg / Hamburg, Buch- / Filmtipps und -besprechungen, aktuelle Nachrichten, einen umfangreichen und stetig aktualisierten Terminkalender und weiterführende Links.

Neben dem Informations- und Bildungsaspekt bietet die HARBURG21-Website eine Plattform für lokale Initiativen zur gegenseitigen Vernetzung. Das dreisprachige Informations-, Bildungs- und Vernetzungsportal (Deutsch, Englisch und Türkisch) trägt entscheidend dazu bei, dass sich die Lokale Agenda 21 heute zu einem vielbeachteten Lokalen NachhaltigkeitsNetzwerk mit über 90 Netzwerkpartnern aus Harburg, Hamburg, Deutschland und der Schweiz fortentwickelt hat. Laut Statistik unseres Providers stieg die jährliche Besucherzahl von 130.000 Besuchern im Jahr 2013 auf rund 185.000 Besucher im Jahr 2014. Die Seitenaufrufe erhöhten sich im Vergleichszeitraum um 1 Million auf 2 Millionen Seitenaufrufe. Auch kommt HARBURG21 laut Datenbank der UNESCO seit 2011 in den Bereichen Lokale Agenda 21 und Informelle Bildung unter allen Hamburger und deutschlandweiten Dekade-Projekten eine Alleinstellung zu (94 ausgezeichnete Hamburger und 1939 deutschlandweite Projekte von 1995 bis Dekade-Ende Dezember 2014).

Heute ist HARBURG21 dank der intensiven Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auch in anderen Medien lokal und (über-) regional bekannt. Weitere wichtige Standbeine der Netzwerk- und Bildungsarbeit sind unser Netzwerk-Newsletter und verschiedene Informations- und Bildungsmaterialien. Der Netzwerk-Newsletter erscheint in lockerer Reihenfolge und informiert zu lokalen, (über-) regionalen und internationalen Ereignissen und Themen. Zusätzlich bietet er zahlreiche Aktions- und Bildungstipps. Wichtige Informationsbroschüren hingegen sind etwa die Publikation "HARBURG21-Dokumentation − Die Lokale Agenda 21 auf dem Weg zum NachhaltigkeitsNetzwerk und zur UN-Dekade" (Hamburg 2011, 104 Seiten). Diese enthält Hintergrundinformationen zu Agenda 21, HARBURG21, Bildung für nachhaltige Entwicklung und Informellem Lernen.  Ein Beispiel für die vernetzenden Bildungsaktivitäten von HARBURG21 dagegen ist der "BNE-Leitfaden für (Harburger) Schulen − Ausgewählte Praxisbeispiele zur Bildung für nachhaltige Entwicklung" (Hamburg 2011, 64 Seiten).


Perspektiven der weiteren Arbeit

HARBURG21 möchte das Lokale NachhaltigkeitsNetzwerk erweitern sowie die Entwicklung neuer Projekte und den Ausbau des Harburger Klimaportals im Sinne der (Bildung) für nachhaltigen Entwicklung vorantreiben. Dazu gehört natürlich auch eine intensive Netzwerk-, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, um die Angebote des Netzwerkes und den Leitgedanken der (Bildung für) nachhaltigen Entwicklung bei den Bürgerinnen und Bürger vor Ort bekannt beziehungsweise bekannter zu machen. Da diese inhaltlich und zeitlich aufwendige Tätigkeit durch Ehrenamt allein nicht gewährleistet werden kann, ist HARBURG21 als Non-Profit-Organisation ohne Eigenmittel weiterhin auf die Bereitstellung ausreichender Fördermittel angewiesen.

Zu den geplanten Projekten 2014 gehören neben dem Ausbau der Website die Neuauschreibung des Harburger Nachhaltigkeitspreises und die Fortsetzung der Projekte in der Reihe "Gelebte Nachhaltigkeit im Bezirk Harburg".


Nachhaltige Wünsche für die Zukunft

Die sukzessive Fortentwicklung von HARBURG21 von einer Lokalen Agenda 21 zu dem heutigen NachhaltigkeitsNetzwerk wurde erst durch die Bereitstellung bezirklicher Sondermittel ab 2007 möglich. In Folge konnte HARBURG21 aufwendigere Projekte und eine konsequente Netzwerkarbeit in Angriff nehmen. Ergebnis sind das heutige NachhaltigkeitsNetzwerk mit einer wachsenden Zahl von Netzwerkpartnern, eine Informations- und Bildungsplattform im Netz und ein − im Vergleich zur Zeit vor 2007 − verhältnismäßig hoher Bekanntheitsgrad bei Bürgern, Initiativen und Einrichtungen, auch über die Grenzen von Hamburg hinaus.

Wünschenswert für die Weiterentwicklung und Strahlkraft von HARBURG21 wäre die Verstetigung effizienter Projekte wie insbesondere der HARBURG21-Website als eines bedeutsamen Bildungs- und Vernetzungsinstrumentes. Weitere ausbaufähige Projekte wären der BNE-Leitfaden für (Harburger) Schulen, auch mit Erweiterung in Richtung (Harburger) Kitas, oder die Interviewreihe "Gelebte Nachhaltigkeit im Bezirk Harburg". Auch der beispielsweise von Michael Schulz, Lehrer an der H10 Harburg, vorgeschlagene Runde Tisch mit Nachhaltigkeitsbeauftragten lokaler Schulen wäre als ein verstetigtes HARBURG21-Projekt zu begrüßen. Die vom Bezirk geplante Fortsetzung des Harburger Nachhaltigkeitspreises ist - mit HARBURG21 als möglichem Kooperationspartner -  ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Für die Umsetzung langfristiger Projekte und der dadurch „nachhaltig“ angestoßenen Prozesse benötigt die Initiative jedoch Fördermittel, die mindestens über mehrere Jahre hinweg garantiert sind. Zurzeit sind jedoch mit Hilfe der bezirklichen Sondermittel nur jährlich wechselnde Projekte förderungsfähig. Und auch diese Mittel sind nicht garantiert (jährliche Einwerbung) und variieren in ihrer Höhe von Fall zu Fall.

Für die Zukunft wünscht sich HARBURG21 auch die Schaffung fester Stellen. Denn zum einen ist die Agenda 21-Arbeit im Bezirk politisch ausdrücklich gewollt. Zum anderen wäre eine solche stabile Infrastruktur mehr als gerechtfertigt: Mit der weitmaschigen Projekt- und Netz(-werk)arbeit ist auch der Arbeitsaufwand und mit ihr der Anteil unbezahlter Arbeit – bei den alteingesessenen Ehrenamtlichen und den Honorarkräften – ständig angewachsen. Der gestiegene und ständig zunehmende Arbeitseinsatz ruht somit allein auf den Schultern weniger. Das ist auf Dauer nicht tragfähig. Zugleich gestaltet sich die Einwerbung neuer Ehrenamtlicher nicht nur wegen der komplexen Thematik und der anspruchsvollen Arbeit, sondern auch mangels fester Arbeitsstrukturen als überaus schwierig.

print